Am 17. April 2026 trafen sich Vertreter des Vorstands der Nordbauern Schleswig-Holstein e.V. zu einem Austausch mit Ministerin Schmachtenberg und Staatssekretär Carstens im Landwirtschaftsministerium. In dem Gespräch brachten Ernst Schuster, Ralf Stelzer, Hans Möller und Wilken Boie zentrale Anliegen der regionalen Direktvermarkter auf die landespolitische Agenda.
Die gesellschaftliche Bedeutung der Direktvermarktung
Nach der Übergabe einer historischen Jubiläumsschrift aus dem Jahr 1950 nutzten die Vereinsvertreter die Gelegenheit, um die grundlegende Rolle der Direktvermarktung hervorzuheben. Diese Betriebe leisten weit mehr als reine Lebensmittelproduktion:
Sie fungieren als sozialer Kitt im ländlichen Raum.
Sie sorgen für eine direkte Wertschöpfung vor Ort.
Sie bilden eine tragende Säule des regionalen und überregionalen Tourismus.
Sie stellen ein wertgebendes Element im politischen Diskurs dar.
Die Nordbauern machten deutlich, dass die derzeitige rechtliche Wahrnehmung, in der Direktvermarktung oft pauschal mit allgemeinen Handelsaktivitäten gleichgesetzt wird , dringend einer Neuausrichtung bedarf.
Fokus auf Bürokratieabbau und finanzielle Entlastung
Ein zentrales Thema des Treffens war der Abbau von Hürden, die kleine Betriebe zunehmend in ihrer Arbeit behindern. Als konkrete Entlastungsmaßnahmen schlugen die Nordbauern vor:
Einführung von Bagatellgrenzen: Für Kleinstbetriebe sollen feste Grenzen als Erleichterung geschaffen werden , beispielsweise bei der Fertigpackungsverordnung, bei Buchführungspflichten oder speziellen Veranstaltungsvorgaben.
Inflationsausgleich für Hofläden: Der Verein forderte eine Anpassung der 51.500-Euro-Regelung für den Zukauf von Produkten zur Ergänzung des Angebotes in Hofläden. Ministerin Schmachtenberg stimmte der Notwendigkeit einer Überprüfung zu, die nun in Absprache mit dem Finanzministerium erfolgen soll.
Konflikte mit Veterinärämtern entschärfen
Ein drängendes Problem aus der Praxis sind zudem uneinheitliche Behandlungen durch Kreisveterinärämter, die für verarbeitende Lebensmittelbetriebe im schlimmsten Fall bis hin zur Existenzgefährdung führen können. Das Ministerium bestätigte, dass die Problematik einer fehlenden Gleichbehandlung bekannt sei. Um in diesem Spannungsfeld Abhilfe zu schaffen, sind von politischer Seite eigene Veranstaltungen mit Kreisveterinären geplant. Der Vorschlag der Nordbauern, eine Schlichtungsstelle für Lebensmittelrecht einzurichten, wurde in diesem Zuge zur Kenntnis genommen.
Frauen in der Landwirtschaft stärken
Darüber hinaus setzten sich die Nordbauern für das anstehende Jahr der „Frauen in der Landwirtschaft“ ein. Sie brachten das Thema Kinderkrankengeld für selbstständige Unternehmerinnen in das Gespräch ein. Nach Information der Ministerin bereitet die Landesregierung zudem aktuell eine Initiative zum Mutterschutz für Unternehmerinnen vor.
Ausblick auf Projekte und Veranstaltungen
Das Treffen bot auch Raum, um über aktuelle Projekte und akute betriebliche Herausforderungen zu sprechen:
Mikrologistik Nord: Der Stand des geförderten EIP-Projekts „ReMiDi-Mikrologistik Nord“ wurde vorgestellt. Der Ministerin wurde das Projektlogo überreicht, verbunden mit einer Einladung zur ersten Meilenstein-Veranstaltung Mitte November.
Landwirtschaftlicher Tag: Die Initiative für den Landwirtschaftlichen Tag, der am 2. August 2026 erneut im Freilichtmuseum Molfsee stattfinden wird , wurde von der Ministerin positiv bewertet.
Betriebliche Hürden: Akute Probleme aus der Praxis, wie etwa die Schließung eines Zulieferwerks, welches spezielle Sauerkraut-Deckel für das Kohlosseum herstellt, wurden ebenfalls direkt adressiert.
Der Termin verdeutlichte erneut die Relevanz des direkten Dialogs zwischen der landwirtschaftlichen Praxis und der Landespolitik.
Das gesamte Protokoll kann hier herunterladen werden
Foto der Jubiläumsschrift, die als Präsent übergeben wurde

